Ironman Malaysia Teil 2 – Der Wettkampf

Die Füsse schmerzen und die Beine sind schlapp, die Hitze ist unerträglich geworden, jeder Schritt ist ein Kraftakt und der ganze Körper schreit förmlich danach einfach aufzuhören. Doch bis ins Ziel sind es immer noch 6 km. Zum Glück ist der Kopf weiterhin fest entschlossen das Ding hier unter 10h zu beenden und hoffentlich damit eine Qualifikation für Hawaii zu holen…

Aber mal der Reihe nach. Der Start in den Wettkampf erfolgte um kurz vor 8 Uhr. Der Himmel war bewölkt und in der Ferne waren Gewitter wahrnehmbar. Geschwommen wurde in der Lagune der Kok Beach. Das Wasser dort ist zwar trüb aber sehr ruhig und mit rund 29 Grad warm wie eine Badewanne, fast schon zu warm um 3.8km zu schwimmen. Es waren 2 Runden zu absolvieren mit kurzem Landgang dazwischen. Für meine Verhältnisse lief es sehr gut und ich konnte mit 1:08h eine neue persönliche Bestzeit aufstellen.

Schwimmstrecke am Tag vor dem Rennen

Die anschliessende Radstrecke ist sehr abwechslungsreich und führt 2 Mal um die Insel. Zuerst ging es hinein in den Regenwald durch die Monkey Zone, wo sich die Affen am Strassenrand auf der Suche nach Essen herumtreiben und scheinbar auch ziemlich angriffslustig sind. Aus diesem Grund ist es den Athleten dort untersagt sich zu verpflegen. Die Gefahr ging aber eher vom nahenden Gewitter, als von den Affen aus. Es wurde plötzlich sehr dunkel und der Regenwald machte seinem Namen mit einem heftigen Gewitter alle Ehre. Viele Athleten hatten ihre Mühe mit diesen Bedingungen und fuhren sehr verhalten oder hatten sogar Stürze zu verzeichnen. Mir machte es aber nichts aus, sondern motivierte mich eher noch etwas mehr Gas zu geben. Der Regen war nicht kalt aber immerhin war es etwas kühler und ich dachte, bei diesen Bedingungen kann ich ruhig etwas härter fahren ohne Angst zu haben meinen Körper zu fest aufzuheizen.

Nach dem Gewitter lichteten sich die Wolken aber und es wurde sehr heiss. Ab jetzt war es essentiell seinen Körper gut zu kühlen und genügend zu trinken, was ich an jeder Verpflegungsstation machte. Nach dem Regenwald führte der Kurs entlang dem Meer und durch kleinere Dörfer, sogenannte Kampung. Zuschauer hatte es nicht sonderlich viele aber dafür waren überall Kinder die nach Bidons gebettelt hatten. Meine geplante Pace konnte ich bis zum Schluss halten resp. die letzte Stunde sogar eher noch etwas zulegen. So schaffte ich die 180km in 5:03h.

Nordküste von Langkawi

Die Wechselzone vom Rad zum Laufen war in einer riesigen, klimatisierten Halle. Wunderbar, diese kühle Luft, da es inzwischen doch über 30 Grad geworden ist. Viel Zeit hatte man aber nicht und nach nicht einmal 2 Minuten war ich schon auf dem Marathon unterwegs. Dies war sicherlich der härteste Teil des Wettkampfes. Ist es eigentlich immer, da man ja dann schon geschwommen und Rad gefahren ist. Aber egal, einfach nichts anmerken lassen und los geht’s. Ich bin gut gestartet und konnte auch das Tempo relativ gut kontrollieren. Gerade am Anfang, wenn man vom Rad kommt geht man es oft zu schnell an, was man dann am Schluss zurückbezahlt.

Ich begann auch gleich den Körper mit Eis zu kühlen. Das hatte ich vor 2 Jahren bei meinem ersten Start hier schon gelernt. Leider braucht das Kühlen und Verpflegen aber auch seine Zeit. Um den geplanten Schnitt zu erreichen muss man also dazwischen etwas schneller laufen. Mein Ziel war es unter 3:30h durchzukommen, merkte aber, dass dies nicht möglich sein wird. Ich habe aber weiterhin daran geglaubt, dass ich hier gut abschneiden kann und habe mich auf das Finish unter 10h fokussiert. Ich habe meist mehrere Ziele in einem solchen Rennen, so dass ich mich mental an etwas orientieren kann und nicht plötzlich frustriert den Fokus verliere.

Da ich keine Betreuer vor Ort hatte, wusste ich eigentlich nie wo ich im Rennen stehe. Aufgrund des vorgängigen Studiums der Zeiten aus den Vorjahren war mir schon klar, dass ich gut unterwegs war aber man weiss ja auch nie was für Kaliber sonst noch am Start steht und manchmal geht es wirklich nur um Sekunden. So habe ich wirklich alles gegeben und mich weiter Richtung Ziel gepusht. Gegen den Schluss ist es bei einer Langdistanz sowieso mehr eine mentale Angelegenheit. Wie eingangs geschildert hat der Körper eh schon lange genug von der ganzen Plackerei und ohne einen starken „Kopf“ würde es nicht gehen.

Pokal Ironman Malaysia 🙂

Mit 9:56:24 überquerte ich schlussendlich total ausgepumpt aber glücklich die Finish-Line und wurde von den Betreuern in Empfang genommen. Danach ging es ins Eisbad und zur Massage und natürlich zum Buffet um nach 10 Stunden erstmals wieder etwas Richtiges in den Magen zu kriegen. Da ich kein Handy dabei hatte wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts von meinem Erfolg. Erst als ich später zurück im Hotel war und meine Handy anschaltete purzelten die Glückwünsche rein und mir wurde klar was gerade passiert ist. Ich habe es wirklich geschafft und war total überwältigt! Herzlichen Dank an alle die mich in dieser Angelegenheit auf irgend eine Weise unterstützt haben, allen voran natürlich an meine Familie, die bei so einem Triathlon-Verrückten doch einiges «erdulden» müssen. Dafür dürfen sie aber nächstes Jahr wieder nach Hawaii 😊

Hawaii Slotvergabe durch Craig Alexander

Die Startplatzverleihung für die Weltmeisterschaft fand dann am nächsten Morgen statt. Craig Alexander, der mehrfache Hawaii Champion, überreichte die begehrte Qualifier Medaille. Als letzter offizieller Akt fand am Abend schlussendlich die Siegerehrung und das Finisher Banquet statt. Diese war sehr gediegen am Beach mit Sonnenuntergang, feinen malaysischen Gerichten und musikalischer Unterhaltung.

Banquet of the Champions beim Meritus Pelangi Beach Resort

Insgesamt kann ich diesen Anlass allen wärmstens empfehlen die Freude daran haben einen Wettkampf in der Ferne zu absolvieren und mit dem tropischen Klima gut zurechtkommen. Für mich geht mit diesem Höhepunkt die Saison 2018 sehr erfolgreich zu Ende. Nun heisst es dem Körper einige Wochen Erholung zu gönnen, um dann im 2019 wieder zu neuen Abenteuern aufzubrechen.

Abendstimmung am Cenang Beach

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